
3.7 Flexibles graphbasiertes Information Retrieval
Vokabular, dessen Annotationen oder die damit verknüpften nutzerdefinierten Konzepte
zurückzuliefern und dabei anwendungsfallspezifisch zu gewichten. In Kadmos ist für
diese Zwecke eine flexible Abfrage solcher „
Objects of Interest
“ möglich, wobei neben der
Nutzung von Basisstrukturelementen auch beliebige künstliche Kontexte, wie Wortab-
stands-Fenster, satzzeichensensitive Fenster, vorkommende Muster von Annotationen,
wie Part-of-Speech (POS)-Tags, uvm. definiert werden können. Nicht immer existiert
für solche Konstrukte ein externalisierbares Referenzierungsschema. Jedoch können
die internen Element-IDs zur Adressierung der jeweiligen Resultate über interaktive
Oberflächen verwendet werden.
Zur Ermittlung einer Rangfolge für die Ergebnisse muss wieder einzelfallabhängig ent-
schieden werden, welche Effekte dadurch erkannt, hervorgehoben oder eliminiert wer-
den sollen. Die Bandbreite reicht von einer einfachen Zählung der
Traverser
, die nach
der Anfrage auf den zurückgelieferten Knoten verweisen, bis hin zu komplexen Berech-
nungsvorschriften, welche auch globale Statistiken (oder Approximationen für diese)
berücksichtigen. Es existieren bereits graphbasierte Maße für Relevanzberechnungen bei
der Schlüsseltermextraktion [
Bou13
], der Termgewichtung [
BL12
] und der termbasierten
Dokumentgewichtung [
RV13
], die als Ausgangspunkt für domänen- und fachfragenzen-
trierte Ansätze dienen können.
Der vorberechnungsfreie Zugriff auf die Datenbasis führt bei komplexeren Abfragen, die
für solche Verfahren zum Teil nötig werden, zu Antwortzeiten jenseits einer wahrgenom-
menen direkten Interaktivität – der Vorgang benötigt also mehr als nur wenige Sekunden,
bis die Ergebnisse vollständig vorliegen. Um dem Nutzer dennoch kein untätiges War-
ten zuzumuten, wird in Kadmos eine Retrievalstrategie bevorzugt, die an das in [
FG06
]
eingeführte
Interrupt-driven Retrieval
angelehnt ist. Dieses lässt den Nutzer intermediäre
Ergebnisse anfordern, welche den aktuellen, unvollständigen Abfragezustand abbilden,
jedoch bereits ein Ranking der Ergebnisse vornehmen. In Kadmos besteht die Möglichkeit,
solche Zwischenmeldungen periodisch liefern zu lassen, also die dafür notwendigen „Un-
terbrechungen“ des Retrievalvorgangs regelmäßig automatisch vorzunehmen. Durch die
asynchrone Schnittstelle ist darüber hinaus die Umsetzung von Retrievalabfragen mög-
lich, welche nicht extern unterbrochen werden müssen, sondern Zwischenergebnisse,
sobald genügend neue Ergebnisse vorliegen, selbsttätig zurückmelden.
Ein so geschaffenes interaktives System, das Ergebnisse auf verschiedenen Granulari-
tätsebenen und unter Berücksichtigung vieler Suchfacetten finden kann, erlaubt eine
explorative Recherche, in welcher in kurzen Iterationsschritten der Recherchefokus an-
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